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08.05.2017

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Distributismus als Zusammenführung von Moral und Wirtschaft

Wertorientierte Alternative zu Planwirtschaft und Kapitalismus

Sascha A. Roßmüller

Das in der Praxis klägliche Scheitern des kommunistischen Sozialismus schien vielfach vorerst als der Beleg der Überlegenheit kapitalistischer System gedeutet worden zu sein. Doch im Zuge einer permanent größer werdenden Kluft der sogenannten sozialen Schere kehrt auch diesbezüglich zunehmend unbefriedigende Ernüchterung ein. So sich überhaupt jemand über die Administration tagesmaterialistischer Einzelaspekte hinaus weltanschaulich verortet, ist gelegentlich von einem zumeist nicht näher beschriebenem „Dritten Weg“ die Rede. Wovon nahezu nie zu hören ist, ist vom Distributismus. Dies verwundert eigentlich, da sich nicht die geringsten unter den europäischen Geistesgrößen damit auseinandersetzten und es sowohl historische Anknüpfungspunkte, als auch praktische Fallbeispiele der Neuzeit gibt. Vielleicht wäre der Distributismus sogar ein gangbarer „Dritter Weg“, sehen seine Vertreter selbst selbigen doch als ökonomische Philosophie in Opposition zu den Wirtschaftssystemen des Kapitalismus und des Sozialismus.

Als im Zuge der Industrialisierung immer mehr soziale Probleme entstanden, begannen sich im 18. sowie im Laufe des 19. Jahrhunderts die Wirtschaftswissenschaften zu entwickeln. Gegen die Auswüchse des freien Spiels unkontrollierter Marktkräfte entstand neben der sozialistischen Idee mit dem Distributismus ab dem späten 19. Jahrhundert eine weitere Denkrichtung als Alternative zum Kapitalismus. Über den rein ökonomisch-sozialen Aspekt hinausgehend sei gesagt, daß die Befassung damit nicht zuletzt auch in Zeiten der Islamisierungsgefahr eine kulturelle Relevanz aufweist, da das distributistische Gedankengut insbesondere von katholischen Denkern wie G. K. Chesterton oder Hilaire Belloc geprägt wurde und sogar in bedeutenden Papstenzykliken seinen Niederschlag fand. Was ist nun aber der grundlegende Gedanke? Den distributistischen Vorstellungen zufolge sollte der Besitz von Produktionsmitteln so weitgehend wie möglich innerhalb der Bevölkerung verteilt sein, anstatt sich entweder im ausschließlichen Besitz des Staates - wie im Falle eines zentralverwaltungswirtschaftlichen Sozialismus - oder einer begrenzten Zahl von Oligarchen - wie im Kapitalismus zu verzeichnen - befinden.

Nach den diesem System zugrundeliegenden Grundgedanken sollten die meisten Menschen in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt, beispielsweise in Form von Familienunternehmen, selbst zu erwirtschaften, ohne auf die Nutzung fremden Eigentums angewiesen zu sein. Belloc und Chesterton begründeten die meisten ihrer Empfehlungen mit Erörterungen mittelalterlichen Wirtschaftens vor der Entwicklung der kapitalistischen Philosophie. Nach der Auflösung der Standeszünfte hatte die große Masse der Arbeiterschaft keine Macht, um sich dem unwürdigen Dasein als notleidende Arbeiterklasse entgegenzustellen, bei der die Menschenwürde und Grundrechte verlorengingen. Das hohe Maß an sozialer Ungerechtigkeit drohte den Konflikt zwischen Liberalismus und Sozialismus eskalieren zu lassen. Ausschlaggebend für die zeitweilige gesellschaftliche Verbreitung der distributistischen Denkrichtung waren jedoch päpstliche Lehren, wie die wohl bekannteste unter den vom Arbeiterpapst Leo XII. insgesamt 86 verfassten Enzykliken mit dem Titel „Rerum Novarum“. Diese „Magna Charta“ für die sozialen Probleme begründete im wesentlichen die katholische Soziallehre. In ihr wird die Mitwirkung des Staates zur Lösung der sozialen Probleme als notwendig erachtet, eine Sichtweise, die man bei Parteien mit christlicher Nomenklatura angesichts deren freihandelsextremistischen staatlichen Kompetenzverzichts heute kaum mehr erkennt. In den 1930er Jahre wurde der Distributismus vor allem in den USA anhand vieler Essays von Chesterton, Belloc und anderen Autoren, vorwiegend in der „American Review“, erörtert. Da den durchaus nicht wenigen Anhängern dieser Wirtschaftsphilosophie, insbesondere durch ihre Gegner, antisemitische Ressentiments aufgrund gelegentlicher Verweise zur Rolle des Judentums im Mittelalter nachgesagt wurden, geriet der Distributismus ab den 1950er Jahren in der breiten Bevölkerung zunehmend in Vergessenheit. Noch in den Anfang der 1930er Jahre fiel auch eine weitere in diese Richtung gehende sozialökonomische Enzyklika, die über die sogenannte Arbeiterfrage hinaus die gesellschaftliche Ordnung im Industriezeitalter insgesamt behandelte.

Papst Pius XI. veröffentlichte am 15. Mai 1931 die Enzyklika „Quadragesimo anno“, die sich zum 40. Jahrestag der Sozialenzyklika von Leo XII. weiter in deren Fragen vertiefte. In ihr werden unter dem Subsidiaritätsgedanken Prinzipien einer beruflichen Ordnung beschrieben. Entsprechend dem distributiven Grundgedanken wird darin eine Entproletarisierung nicht durch enteignende gesamtstaatliche Vergesellschaftung verfolgt, sondern indem gezielt die Eigentumsbildung in Arbeitnehmerhand gefördert wird. Einer Verelendung soll durch den Ausgleich der Besitzverhältnisse vorgebeugt werden, weshalb eine Arbeitnehmermitbeteiligung befürwortet wird. Die beschriebene Sozialreform bezieht sich auf zweierlei Ebenen. Einerseits geht es um eine strukturelle Zustandsreform sowie ebenso um eine sittliche Gesinnungsreform. Ein angemessener Wettbewerb wird innerhalb der Grenzen, in denen er allgemein nützlich ist, befürwortet, bedarf jedoch der Regulierung, um eine gerechte und soziale Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zu gewährleisten. Besonders interessant ist der Gedanke, einen Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit herzustellen, da damit ein Problemfeld Erwähnung fand, das sich bis zum heutigen Tage sogar noch verschärft hat. Besagte Enzyklika wird diesbezüglich sogar in einem Maße konkret, daß zur Herstellung einer Gleichwertigkeit von Lohnarbeit und Kapitalrendite berufsständische Körperschaften angeführt werden.

Aufgrund seines maßgeblichen Mitwirkens an der Sozialenzyklika des Papst Pius XI. erlangte der sozialphilosophische Nationalökonom Oswald von Nell-Breuning sein über kirchliche Kreise hinausgehendes Ansehen, auch innerhalb der Ökonomen. In den drei Bänden „Wirtschaft und Gesellschaft“ in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre setzte er sich mit den Fragen einer wirtschaftlichen Neuordnung auseinander, wobei ihm die Neuordnung der vor 1933 herrschenden kapitalistischen Unternehmensstrukturen ein besonderes Anliegen war. Nell-Breuning, der sich zuweilen sehr kritisch mit den Gewerkschaften auseinandersetzte und eine Einheitsgewerkschaft befürwortete, setzte sich für die Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktiveigentum ein und förderte den Gedanken des Investivlohns. Heutzutage wird der Distributismus noch von Gruppen wie der Piusbruderschaft vertreten. Im November 2013 veröffentlichte der von den Medien zum Papst der Armen hochgejubelt Franziskus seine Antrittsenzyklika „Evangelii gaudium“, welche allerdings noch weitgehend von seinem Vorgänger Benedikt XIV. vorbereitet wurde. Im 2. Kapitel werden darin die Wirtschaft, die Vergötterung und Regierung des Geldes sowie die soziale Ungleichheit angeprangert. Zuletzt griff jedoch auch der Schriftsteller Michel Houllebecq diese Philosophie in seinem innerhalb des Establishments umstrittenen Roman „Unterwerfung“ auf.

Der „distributive Staat“, wie ihn Hilair Belloc, einer seiner Hauptvertreter 1920 in „The servile state“ beschrieb, ist ein Raum von Familien von zwar unterschiedlichem Wohlstand, jedoch einer weit größeren Menge Eigentümer der Produktionsmittel. Durch die Existenz von Kooperativen wird eine Distribution sichergestellt, wodurch die Eigenständigkeit des kleinen Besitzers geschützt und die Gesellschaft von Proletarisierung verschont bleibt. Im Kontrast zu den einem Klassengedanken entspringenden Gewerkschaften finden Zünfte mit gleichermaßen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ihren Vorzug, sowie auch Genossenschaftsbanken gegenüber rein profitorientierten Bankinstituten präferiert werden.

Prof. John Médaille argumentierte zuletzt mit seinem 2010 und bislang leider nur englischsprachig erschienen Buch „Toward a Truly Free Market“ aus ökonomischer Sicht für die Theorie des Distributismus, indem er die heutige Wirtschaftswelt und seine Krise analysiert und distributistische Lösungsschritte nahelegt. Anhand von Beispielen zeigt er auf, daß es sich beim Distributismus um ein Programm der Zusammenführung von Moralität und Ökonomie handelt, das sich im kleineren Rahmen − zumindest betriebswirtschaftlich – bereits bewährt hat. Als eindrückliches Beispiel für eine Unternehmung im Geiste des Distributismus führt Prof. Médaille die Mondragón Corporación Cooperativa an. In der baskischen Kleinstadt Mondragón versuchte der Priester José María Arizmendiarrieta der hohen Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken und gründete 1943 eine technische Berufsschule, aus der er Abgänger auswählte, um mit ihnen 1954 eine erste Produktionsgenossenschaft zu gründen, worauf eine Vielzahl folgte. Bis heute ist Mondragon zur größten Genossenschaft der Welt und einer der größten Unternehmungen in Spanien angewachsen. Die Grundprinzipien sind Kapital im Eigentum der Arbeitenden, begrenzte Lohnunterschiede unter den Genossenschaftern, eine gleichmäßige Gewinnverteilung und eine demokratische Organisation der Unternehmen.

2009 erhielt Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis, indem sie mit ihrem Forschungsschwerpunkt zu dem Ergebnis gelangte, dass für eine angemessene und nachhaltige Bewirtschaftung von lokalen Ressourcen in vielen Fällen eine institutionalisierte lokale Kooperation der Betroffenen sowohl staatlicher Kontrolle, als auch Privatisierungen überlegen sei. Sie erreichte dahingehend bereits 1990 mit ihrem Buch „Governing the Commons: The Evolution of Institutions for Collective Action“, dessen deutscher Titel „Die Verfassung der Allmende“ lautete, internationale Bekanntheit. Sie machte auf die Bedeutung von nicht hierarchischen verschachtelten Institutionen aufmerksam, wenn eine Gemeinressource eng mit einem umfassenden sozioökologischen System verbunden ist. Elinor Ostrom zeigte daher im Sinne des Distributismus auf, daß es Probleme von Allmende-Ressourcen gibt, die auch ohne eine Privatisierung dieser Ressourcen und auch ohne eine zentralstaatlich von oben angeordnete Handhabung gelöst werden können. - Abschließend bleibt festzustellen, daß vielleicht eine Wiederaufnahme des Nachdenkens über den Distributismus zu einer wertorientierte Alternative zu Planwirtschaft und Kapitalismus in Form eines Zwischenweges von Hayek und Keynes führen könnte, die sich gut in unsere kleinteiligen, regionalorientierten und genossenschaftlichen Vorstellungen einfügen ließe. Womöglich die Richtung zu einer wirklichen Alternative und einem wirklichen „Dritten Weg“.

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